"Der Verein will dazu beitragen, dass die Gedenkstätte Grafeneck dem Anspruch gerecht wird, ein Ort des Gebets und der Mahnung, ein Aufruf zur Menschlichkeit und Verantwortung zu sein."

Auszug aus der Satzung

Offene Kapelle, Namensbuch und Eingang der Gedenkstätte Grafeneck. Das Bild wurde im Abendlicht aufgenommen. Es zeigt im Vordergrund eine hüfthohe Mauer auf der sich links ein Granitblock befindet. In diesem befindet sich eine Metallschublade, die aufgezogen ist. Im Hintergrund steht eine Dachkonstruktion, die von mehreren Metallstreben abgestützt wird. Unter ihr befindet sich ein grauer Altarstein und eine Mauer.
Urnengräber auf dem Friedhof. Im Vordergrund befinden sich zwei in Stein gefasste Gräber, die mit Blumengestecken verziert sind. Dahinter stehen zwei große Birken vor einer ringförmigen Mauer. Im Hintergrund sind bewaldete Hügel sichtbar.
Weg zum Schloss im Winter. Gezeigt werden zwei mit Schnee bedeckte Steinsäulen, durch die ein Weg führt. An den Bildseiten und im Hintergrund befinden sich Bäume.

Ziele und Aufgaben

Aufgaben

Die Gedenkstätte Grafeneck ist heute Erinnerungs- und Mahnstätte (1) für die über 10.600 Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie”-Verbrechen in Südwestdeutschland – und damit für viele tausende Menschen ein Ort individueller Trauer und kollektiven Gedenkens.

Die Gedenkstätte Grafeneck versteht sich als Dokumentations- und Forschungsstätte (2). Sie bewahrt das historische Wissen und macht es der Öffentlichkeit zugänglich. Dies geschieht in erster Linie durch Veröffentlichungen, Vorträge, Lesungen, durch eine Wanderausstellung sowie insbesondere durch das 2005 geschaffene Dokumentationszentrum. Träger der Gedenkstättenarbeit, die in enger Zusammenarbeit mit der Samariterstiftung Nürtingen und dem Samariterstift Grafeneck geschieht, ist der 1994 gegründete Verein Gedenkstätte Grafeneck e.V.

Zum dritten ist die Gedenkstätte Grafeneck Bildungsstätte (3) mit den Schwerpunkten historische und politische Bildungsarbeit. Informiert wird hierbei über das Denken sowie die konkreten Mechanismen, die nach einer langen Vorgeschichte zu den Verbrechen von 1940 führten. Eine große Zahl nationaler und internationaler Jugend- und Erwachsenengruppen besuchen jährlich die Gedenkstätte und das Samariterstift Grafeneck.

Die Gedenkstätte erfüllt öffentliche und humanitäre Aufgaben (4) als Auskunfts- und Informationsstelle für Städte und Gemeinden ebenso wie für Gerichte in Sachen Entschädigung und Nachlass. Durch eine verstärkte Wahrnehmung der Gedenkstätte in der Öffentlichkeit nimmt seit einigen Jahren auch die Zahl der Verwandten und Nachkommen der Opfer zu, die sich an die Gedenkstätte wenden. Nach einer jahrzehntelangen verweigerten Erinnerung, aber auch Verdrängung und Tabuisierung dieses Teils der NS-Verbrechen bahnt sich hier ein tiefgreifender Wandel an.

Ziele

Die Aufgaben bleiben somit auch in der Zukunft: die Bewahrung und Zugänglichmachung der Dokumente des damals Geschehenen, das Gespräch mit Angehörigen der Opfer, die Weitergabe der Erinnerung an Besucher – nicht nur als Information über ein historisches Ereignis, sondern im Sinne einer kritischen Bildungsaufgabe. Themen wie die Bioethik- und neue „Euthanasie“-Debatte aber auch politischer Extremismus, Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit unterstreichen die Wichtigkeit einer Auseinandersetzung mit dem Denken und den Vorgängen, die zur Ermordung von 10.654 Menschen in Grafeneck geführt haben. Trotz einer negativ besetzten Geschichte kann Grafeneck – Gedenkstätte und Behinderteneinrichtung – die Bedeutung der Demokratie mit ihren Konzepten von Menschenwürde und Menschenrechten unterstreichen und demokratisches Bewusstsein fördern. In dieser Perspektive bildet die Gedenkstätte Grafeneck und Dokumentationszentrum somit die Schnittstelle von Erinnerung, historisch-politischer Bildung, Wissenschaft und Begegnung. Es ist diese Gleichzeitigkeit von zentraler Gedenkstätte für die Opfer der NS-„Euthanasie“ in Baden-Württemberg und der Existenz des Samariterstifts als einer modernen Einrichtung der Behindertenhilfe und Sozialpsychiatrie, die die Singularität dieses Ortes nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart ausmacht.