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Dokumentationszentrum Gedenkstätte Grafeneck

Raum I - Grafeneck 1940: Geschichte

Das Dokumentationszentrum, das auf halbem Weg zwischen Schloss und Gedenkstätte liegt, besitzt mehrere Funktionen. Es beherbergt eine Dauerausstellung, das Büro der Gedenkstätte sowie ein Archiv und eine Bibliothek. Die Ausstellung „Euthanasie“- Verbrechen in Südwestdeutschland. Grafeneck 1940 – Geschichte und Erinnerung bildet hierbei den Kern des Dokumentationszentrums. Die Ausstellung dokumentiert im ersten und zentralen Raum die Ereignisse des Jahres 1940. Grafeneck steht in dieser Zeit für eines der großen „arbeitsteiligen Verbrechen“ des Nationalsozialismus. Seine Bedeutung geht dabei weit über lokale und regionale Bezüge hinaus. Grafeneck wird zum ersten Ort systematisch-industrieller Ermordung von Menschen im nationalsozialistischen Deutschland und steht somit an einem Ausgangspunkt ungeheuerlicher Menschheitsverbrechen. Am 18. Januar 1940 beginnen die Morde in Grafeneck. Ihnen fallen bis Dezember 1940 über 10.600 Menschen – Männer, Frauen und Kinder – zum Opfer fallen. Die Täter verwenden hierfür eine stationäre Gaskammer, eingebaut in ein bestehendes Gebäude auf dem Gelände des Schlosses. Obwohl als „Euthanasie“ und „Gnadentod“ verharmlost, ist das Geschehen angemessen nur als „industrieller“ Massenmord zu beschreiben. Den Opfern wird bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts eine „doppelte Minderwertigkeit“ zugeschrieben. Sie galten als Gefahr und als Last für den sogenannten „gesunden Volkskörper“. Rassenhygienische (eugenische) sowie ökonomische Gründe werden angeführt, um den „Lebensunwert“ und damit auch das „Lebensrecht“ von psychisch erkrankten und geistig behinderten Menschen zu bestreiten. In der Hauptsache sind es dann Kriterien von Produktivität und Arbeitsfähigkeit, die vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges über Leben und Tod in den Anstalten und Kliniken entscheiden. Thematisch schließt der erste Raum der Ausstellung mit dem Ende der Morde in Grafeneck im Dezember 1940. Als Gründe hierfür können das Scheitern der Geheimhaltungsbemühungen und zunehmende Proteste von Kirchen, Angehörigen, Einrichtungen sowie aus Kreisen der NSDAP gelten. Die Versetzung der Grafenecker Täterpersonals ins hessische Hadamar, ebenfalls eine Vernichtungseinrichtung, zeigt, dass die Täter ihre Ziele im deutschen Südwesten erreicht hatten. Mit der Ermordung der jüdischen Patienten in den Heil- und Pflegeanstalten Baden und Württembergs und dem späteren Einsatz der Täter von Grafeneck in den Vernichtungslagern des Ostens wie Auschwitz-Birkenau, Treblinka und Belzec, beginnt hier ein Weg, der in den „Holocaust“, die Ermordung der deutschen und europäischen Juden, mündet.

Raum II - Grafeneck 1940: Erinnerung

Neben der historischen Perspektive auf Opfer und Täter, Denkstrukturen und Machtmechanismen richtet die Ausstellung ihren Blick auch auf die Zeit nach 1945. Wie geht die Gesellschaft mit diesem Verbrechen um, wie sieht die publizistische und juristische Auseinandersetzung aus und wie findet die Erinnerung an diesen schwierigen Teil der deutschen und südwestdeutschen Geschichte einen Platz im historischen Gedächtnis des Landes Baden-Württemberg und seiner Bewohner? Die Ausstellung fragt auch nach den Rahmenbedingungen, unter denen sich die Erinnerung versucht ihren Weg zu bahnen. Als entscheidender Punkt hierbei kann die Rückgabe Grafenecks an die Samariterstiftung im Jahr 1947 gelten. Seit dieser Zeit ist Grafeneck wieder Behinderteneinrichtung. Im ersten Nachkriegsjahresbericht der Samariterstiftung von 1946, der einen Rückblick auf die Kriegsjahre enthält, wird in einer in den späteren Jahren nicht mehr erreichten deutlichen Sprache auf die Verbrechen eingegangen und Grafeneck als „Menschenvernichtungsanstalt“ bezeichnet. Beinahe zeitgleich beginnt die rechtliche Aufarbeitung. Nur ein kleiner Teil der Täter wird 1949 in Tübingen und Freiburg vor Gericht gestellt und verurteilt. Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland erlischt das Interesse an einer Auseinandersetzung mit den „Euthanasie“-Verbrechen des Nationalsozialismus. Nur noch wenige Berichte, meist in apologetischer Form beschäftigen sich mit den „Euthanasie’-Verbrechen in Südwestdeutschland. Im Jahr 1965 schließlich wird das Gebäude abgerissen, in dem die Gasmorde stattgefunden hatten und durch neue landwirtschaftliche Gebäude ersetzt. Gleichzeitig entsteht ein erster Gedenkort auf dem Friedhof der Einrichtung. Nach jahrzehntelangem lähmendem Schweigen, das erst in den 1970er-Jahren durchbrochen wird, kann entsteht 1990 unter dem Leitgedanken: „Das Gedenken braucht einen Ort“, die Gedenkstätte. Bis heute fortgeschrieben, bewahrt ein Namens- und Gedenkbuch die Namen von über 8.000 Opfern. Als einen wichtigen Aspekt der Erinnerung zeigt die Ausstellung Gedenk- und Erinnerungsorte, die eng mit der Gedenkstätte Grafeneck verknüpft sind. Diese stehen in den Städten, in Kliniken und Heimen aus denen die Opfer stammen.
Die Ausstellung schließt mit den Aufgaben der Gedenkstätte heute. So ist die Gedenkstätte weiterhin Erinnerungs- und Mahnstätte, zugleich aber auch Dokumentations- und Forschungsstätte sowie eine Bildungsstätte. Nicht zuletzt ist sie zu einem Ort geworden, der Ansprechpartner ist für Kreise, Städte und Gemeinden, für Justiz und Forschung und nicht zuletzt für die Verwandten und Nachkommen der Opfer.






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