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Alphabet-Garten
Alphabet-Garten

Gedenkstätte->Alphabet-Garten

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Der Alphabet-Garten

Wie kann der Opfer gedacht werden, deren Namen vielleicht nie gefunden werden, seien sie Christen, Juden, Atheisten...? Der Arbeitskreis Gedenkstätte Grafeneck bat Diane Samuels, eine amerikanische Künstlerin, darüber nachzudenken. Ist es möglich, allen Anforderungen mit einem Projekt gerecht zu werden?

Diane Samuels schlug zum Gedenken einen "Alphabet-Garten" vor. Sie hatte sich von einer alten jüdischen Erzählung inspirieren lassen, in der ein Gelehrter die Erlaubnis erhält, seinem himmlischen Gesprächspartner schon in diesem Leben zu begegnen. Dieser Mann lebt in einem abgelegenen Dorf in einer Hütte ohne heilige Schriften und ohne erklärende Kommentare. "Wie kannst du ohne Bücher beten?", fragt der Gelehrte. "Ich besitze keine Bücher, weil ich weder lesen noch schreiben kann", antwortet der Mann. "Aber ich kann das Alphabet aufsagen. Ich bitte Gott, meine Buchstaben anzunehmen und daraus Gebete zu formen."

Im Alphabet-Garten in Grafeneck wird diese Erzählung auf einer kleinen Fläche neben der bestehenden Gedenkstätte umgesetzt. Die Gedenkstätte Grafeneck liegt in einer Umgebung von Wiesen und Wäldern. Ein Garten, der große Pflege verlangt, wäre in dieser Lage weder ästhetisch richtig noch praktisch. Also wurden in dem Garten Bodendecker angepflanzt und Blumenzwiebeln, die sich ausbreiten und den Alphabet-Garten so natürlich und ein wenig wild aussehen lassen. Je nach Jahreszeit bilden die Pflanzen einen verschiedenfarbigen Untergrund für die Buchstaben.

Es sind 26 kleine quadratische Granitsteine im Boden verankert, von denen jeder einen Buchstaben des römischen Alphabets trägt. Die Steine und Buchstaben gleichen den Grabsteinen auf dem benachbarten Friedhof von Grafeneck, sind jedoch viel kleiner. Da sich jeder Name in den Sprachen, die das römische Alphabet verwenden, aus einer Kombination dieser 26 Buch?staben zusammensetzt, bringt der Alphabet-Garten das Ziel der Gedenkstätte Grafeneck zum Ausdruck, an alle 10.654 Opfer zu erinnern, die namentlich bekannten und die unbekannten.

Der Alphabet-Garten wurde im August 1998 von Mitgliedern des Arbeitskreises Gedenkstätte Grafeneck und von Freiwilligen aus der Gegend gebaut.
Jeder Buchstabe des Alphabets - wie auch der Name jedes Opfers von Grafeneck - ist von großer Bedeutung. Es gibt Erzählungen von Menschen, die ihr ganzes Leben damit verbringen, die Buchstaben der Tora zu zählen, um sicherzugehen, dass kein einziger fehlt. Denn jeder Buchstabe, so ihre Meinung, besitzt seinen eigenen Wert und hat Macht.





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